Ich gebe es zu: Elternratgeber zu lesen, ist nicht so mein Ding, mich in Fachbüchern zu vertiefen, hingegen schon. Mit Erstaunen beobachte ich aber eine Vielzahl an Ratgebern. Es scheint ein grosses Bedürfnis und Interesse an Literatur rund um Erziehung vorhanden zu sein. Da gibt es Titel wie «Dein kompetentes Kind», «Kinder verstehen», «Born to be wild», «Kindheit ohne Strafen» oder «Der kleine Tyrann: Welchen Halt brauchen Kinder». Gelesen habe ich sie alle nicht. Nicht, dass ich sie nicht nötig hätte, ich bin mir aber nicht so sicher, ob sie mir wirklich helfen würden. Ab und zu mache ich einen Versuch mit einem Elternratgeber, aber nach wenigen Seiten verlässt mich die Leselust. Warum? Vielleicht weil ich mich nicht mit Fragestellungen von anderen Kindern auseinandersetzen mag. Dann aber auch, weil mir klar ist, dass z.B. Strafen weder nützlich noch sinnvoll sind. Beim Nachdenken darüber, warum Strafen in der Erziehung meiner Kinder nicht vorkommen, wird mir bewusst, dass es sich einfach so ergeben hat und diese für mich ganz einfach keinen Sinn machen.

Da kommt mir der Satz einer Freundin aus dem Allgäu in den Sinn: «Ma muess halt redä mit dä leut.» Mit den Kindern, so finde ich, ist es ganz ähnlich: Man ist mit ihnen im Gespräch, klar mit einem Kleinkind anders als mit einem Jugendlichen.Was natürlich hilft, ist, sich selber gut wahrzunehmen, sich zu reflektieren, lernbereit zu sein, im Prozess zu bleiben und sich selber gut zu beobachten. Auch ein achtsames und feinfühliges Verständnis für mein Kind und seine Bedürfnisse hilft.

Ich denke zurück an die Kleinkindphasen meiner Kinder. Die Zeit mit den kleinen Kindern ist dicht und anstrengend. Es bleibt wenig Möglichkeit für Rückzug oder Erholung in der Nacht. Die Müdigkeit ist ein treuer Freund, die eigenen Bedürfnisse stehen im Hintergrund. Mir ist erst nach dieser Kleinkindphase bewusst geworden, wie anstrengend das alles war, wie erschöpft und am Limit wir als Eltern teilweise waren. Da gab es auch Momente, in denen ich mich nicht wiedererkannt habe, ich in einer Art und Weise reagiert habe, die ich nicht mit meinen Werten vereinbaren konnte. In dieser Phase habe ich zum Glück den Elternkurs «Starke Eltern- starke Kinder» besucht. Die Methoden daraus helfen mir bis heute dabei, z.B. bei einem Konflikt hinter die Kulissen zu schauen, um zu erfragen, welche Bedürfnisse vom Kind und welche von mir da aufeinander prallen. Mit dieser Erkenntnis dann Erziehungslösungen zu entwickeln, hilft mir und der Situation. Oft waren es auch meine Bedürfnisse, die mich zu einem nächsten Schritt angeregt haben oder mich den Raum zurückerobern liessen. Nicht jede Frage, die im Erziehungsalltag auftaucht, ist ein Problem für die Mutter. Manchmal ist es eines für Kinder. Toll, wenn diese lernen, selbst damit umzugehen. Da gab es natürlich noch viele andere hilfreiche Anregungen und Vorgehensweisen. Der Kurs hat mich sogar so überzeugt, dass ich dann auch zertifizierte Kursleiterin „Starke Eltern - starke Kinder“ geworden bin.

Seit einigen Jahren begleite ich nun selber Eltern. Die Fragestellungen sind vielfältig: Mein Kind hat so starke Gefühlsausbrüche. Was kann ich bei perfektionistischen Tendenzen meines Kindes tun? Andere Eltern schildern, dass ihr Kind ihnen nicht zuhört, oder stellen Fragen nach der richtigen Schule für ihr hochbegabtes, sehr sensibles Kind. Was mir ab und zu auffällt, ist, dass gerade die Flut an Ratgebern sehr irritieren kann und einem von einem intuitiven, gelingenden Vorgehen entfernen lässt. Soll ich nun ermutigen, eine logische Konsequenz anwenden oder doch vielleicht leicht bestrafen? Oh ja, Belohnen ist so eine heikle Sache. Rein theoretisch ist alles scheinbar klar, aber was nun konkret? Wie und wann umsetzen, was tun und lassen? Mir gefallen der Blick auf schwierige Situationen von Marte Meo (eine videobasierte entwicklungsfördernde Kommunikationsmethode) und die Botschaft hinter herausforderndem Verhalten. Das Kind verhält sich nicht willentlich unkooperativ oder hat Gefühlsausbrüche. Es macht das, was ihm möglich ist. Die Botschaft dahinter ist gleichzeitig auch eine Einladung zur Entwicklung, um sich besser wahrzunehmen, seinen Handlungen, Initiativen und Gefühlen Wörter zu geben, und zwar auf der Seite des Kindes wie auch auf der Seite der Eltern. Bei dieser Methode wird gefilmt. Angepasst an Eltern und Kinder wird ressourcenorientiert Gelingendes aufgezeigt. Vor kurzem ist in einem Elterncoaching die Frage der Belohnung aufgetaucht. Im Film wurde ganz konkret sichtbar, dass es ganz wenig braucht, um ein Kind zu bestätigen. Es war ein leichtes Lächeln mit einem leisen «Mmmh», das ein Lächeln in das Gesicht des Kindes gezaubert hat. Gerade an diesem Lächeln des Kindes wurde sichtbar, dass die Information angekommen war. Bestätigen ist ein Marte-Meo-Element, das dem Gegenüber zeigt, dass es verstanden wurde (z.B. durch Nicken). Man zeigt dem Kind, dass es auf dem richtigen Weg ist und seinen Weg weitergehen soll, dass es ein guter Plan ist usw.

Sehr gerne zeige ich auch Ihnen die Möglichkeiten einer angepassten Unterstützung Ihres Kindes mit der filmbasierten Kommunikationsmethode Marte Meo auf. Übriges, Marte Meo heisst «aus eigener Kraft». So soll die Kommunikation in einer Weise angewendet werden, dass die Entwicklung des Kindes, seine Eigenwahrnehmung und seine Selbstregulierung angeregt werden.

Rufen Sie mich an, um das für Sie passende Vorgehen gemeinsam zu besprechen. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

079 691 68 81 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!er.ch 

 

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