Beobachtungen, die auf eine Hochsensibilität hindeuten könnten, sind Folgende: Ihr Kind ist in Bezug auf laute Geräusche empfindlich, zurückhaltend und scheu bei unbekannten Menschen. Änderungen im Tagesablauf sind für das Kind schwierig. Es könnte hochsensibel sein. 15 bis 20 Prozent aller Kinder sind auf diese besondere Art empfindsam.
Oft sind besonders die klugen und kreativen Kinder betroffen (Eliane N. Aron). Die Hochsensibilität erfasst man über einen Fragebogen. Generell wird die Hochsensibilität kontrovers diskutiert. Die Standpunkte reichen von «wissenschaftlich nicht erwiesen» bis zu einem klaren Bejahen von all den Beobachtungen, die in der Literatur diskutiert werden. Zu Beginn stand ich diesem Phänomen skeptisch gegenüber. Im Laufe meiner 15-jährigen Beratungstätigkeit habe ich viele Kinder gesehen, bei denen die Beobachtungen aus der Literatur der Hochsensibilität hilfreich waren und zum Verständnis des Kindes beitrugen (Hier geht es zum vertiefenden Onlinekurs Hochsensibilität - sensible Kinder erkennen, besser verstehen und stärkend begleiten (inklusive Kinder- und Elternfragebogen) . Persönlich ist für mich der Aspekt der «Diagnose» weniger wichtig als die Beobachtungen und Schilderungen, die zu verständnisvollen und achtsamen Begleitungen der Kinder beitragen können.
Ab und zu bekomme ich Artikel zu Gesicht, in denen die Phänomene Hochsensibilität (15-20 % ) und Hochbegabung (2 %), diese wird mit einer Begabungsabklärung erfasst, gleichgesetzt werden. Aus meiner Sicht machen die Prozentzahlen eine andere Aussage. In der Umkehrung könnte man nun fragen, ob jedes hochbegabte Kind auch hochsensibel ist. Auch diese Frage wird kontrovers diskutiert. Einer der wenigen Begabungsforscher, der Beobachtungen im Zusammenhang von Hochbegabung und Hochsensibilität macht, ist James T. Webb. Bei meinen Beobachtungen und Überlegungen beziehe ich mich gerne auf ihn. Immer wieder begegnen mir hochbegabte Kinder, bei denen ich Merkmale der Hochsensibilität beobachte. Das kann sich zum Beispiel in einem langsamen Arbeitstempo, das aufgrund einer sehr detaillierten und sorgfältigen Arbeitsweise entsteht, zeigen, oder durch eine Tendenz zur schnellen Überreizung aufgrund ihrer sensorischen Empfindlichtkeit. Dann gibt es Kinder, die sehr imaginär oder auch emotional sensitiv sind. Mir begegnen viele Kinder, bei denen ihre Hochbegabung und eine Hochsensibilität gleichzeitig vorkommen.
Was ist in der Begleitung dieser Kinder wichtig?
Bei Hochsensibilität ist es wichtig, ein Augenmerk darauf zu richten, Überreizung zu vermeiden, damit das Kind zur Ruhe kommen kann. Pausen und Erholung sind wichtig, damit das Kind sein Potenzial entwickeln kann.
Überreizungen können z.B. so vermieden werden:
- „Weniger ist mehr“, den Alltag anpassen
- Akustisch: zu Hause möglichst keine weiteren „Lärmquellen“ wie Musik schaffen. Akustische Reize reduzieren, z.B. wenig Lärmquellen (Musik, Staubsauger usw.), die Möglichkeit geben, sich zurückziehen zu können; Lärm mit Ohrenschutz wie Pamir oder Ohrenstöpsel reduzieren
- Visuell: wenig optische Reize, z.B. mit geschlossenen Gestellen und Schränken
- Geschmack, Geruch: mit wenig Gewürzen kochen, sichere „Werte“ einplanen, einer Unterzuckerung vorbeugen
- Taktil: auf feine Stoffe achten (In der Regel sind Naturmaterialien besser, z.B. feine Baumwolle, Bambusfaser, Seide.) Schildchen und Knöpfe entfernen, evtl. umgekehrt tragen lassen
Gleichzeitig fallen hochbegabte Kinder unter anderem durch ihr hohes Denktempo, die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die komplexe Art zu denken, ihre Neugierde und ihren Wissensdurst auf. Diese Kinder lieben es, etwas Neues zu lernen. Sie brauchen intellektuelle Herausforderungen und müssen auf ihrem Lernweg in ihrem Tempo voranschreiten können, damit es ihnen gut geht.Wenn sie unterfordert sind, kann das zu einem Verlust ihres Selbstvertrauens, zu übermässiger Anpassung, einer Konzentrationsabnahme, Flüchtigkeitsfehlern, Verhaltensauffälligkeiten (Depressionen oder aggressives Verhalten) sowie zu psychosomatischen Symptomen führen. Ihre Unterforderung erzeugt Stresssymptome und ihr Wohlbefinden leidet.
Was ist bei einer ausserschulischen Förderung zu beachten?
Hochbegabte, besonders sensible Kinder brauchen einerseits intellektuelle Herausforderung und Betätigungen, andererseits auch Erholungen und Ruhe. Es ist nicht ganz einfach, den goldenen Mittelweg zu finden. Einigen Kindern gelingt es gut, ein passenden Mass zu finden, andere Kinder haben eine unbändige Freude und Lust, bei allem mit dabei zu sein. Kunstturnen, Geigenspiel, Begabtenförderung und auch noch ein grosser Freundeskreis - alles möglichst gleichzeitig. Diese Kinder laufen Gefahr, sich zu erschöpfen und haben immer wieder sehr energielose Phasen.
Wichtig ist es, diese Kinder «qualitativ hochwertig «zu fördern. Was heisst das nun für eine ausserschulische Förderung und Begleitung?
- Hochwertige und passende Lernfelder zeichnen sich dadurch aus, dass sie an die Begabungen, Interessen und Lernniveaus des Kindes anknüpfen. Am Beispiel des visuell räumlich begabten Kindes macht es Sinn, bei Interesse in diesem Feld etwas anzubieten, z.B. Pläne zeichnen, visuell-räumliche Konzepte erstellen oder auch Häuser bauen. In verschiedensten Bereichen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten und anregenden Materialen, die das Kind auch zu Hause nutzen kann. Hochbegabte Kinder sind meist intrinsisch motiviert. Oft reicht es, Material anzubieten. Die Ideen und deren Umsetzung nehmen die Kinder selber in die Hand.
- Weniger ist mehr.
- Bei Kursangeboten ist es wichtig, dass die Initiativen der Kinder Platz haben. Das Kind fühlt sich wahrgenommen und darf so sein, wie es ist.
- Druck ist zu vermeiden und der achtsame Umgang mit Leistung sehr wichtig.
- Die Eigenaktivität des Kindes ist vorrangig. Das Angebot unterstützt die Selbstständigkeit und Eigeninitiative des Kindes.
- Idealerweise soll sich das Kind mit zunehmendem Alter mehr und mehr selbstständig auf seinen Lernweg machen können.
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