In letzter Zeit begleite ich vermehrt Kindern und Eltern, bei denen die folgenden Beobachtungen zutreffen.

Tobias (Name geändert, 6 Jahre) startete gut in seine Kindergartenzeit. Zu Hause hat er ab und zu geklagt, dass ihm langweilig sei. Plötzlich fing er im Kinderarten an, andere Kinder zu schlagen und sie zu schubsen. Überhaupt verhielt er sich ziemlich schnell und oft aggressiv. Dieses Verhalten fiel den Eltern auch zu Hause auf. Tobias mag es, mit anderen Jungen zu raufen. Die Kindergartenlehrpersonen schätzen das Raufen und körperliche Messen anders als Tobias ein. Sie tolerieren es nicht. Ihre Reaktion auf das generell etwas schwierigere Verhalten von Tobias ist wie folgt: Ihre Idee ist es, ihn anzuhalten, sich besser zu benehmen. Wenn ihm das gelingt, darf Tobias etwas mit den ganz schwierigen Legosteinen, die er so sehr liebt, bauen. Wenn er sich weiterhin in der gleichen Art und Weise verhält, werden die Legosteine weggeschlossen. Laut Lehrpersonen scheint das ein wenig zu helfen. Die Lehrpersonen nehmen Tobias als «sozial noch nicht so entwickelt und emotional hinterher» wahr.

Bei Mia (Name geändert, 7 Jahre) zeigt es sich anders.

Sie ist ein sehr feinfühliges, differenziert wahrnehmendes Kind. Die Eltern erzählten mir, dass sie scheu sei und mit fremden Personen nicht so gerne spreche. Mir fällt auf, dass sie sich über viele Dinge ganz ausführliche und tiefgründige Gedanken macht. Über diese erzählt sie mir sehr detailliert mit einem grossen und differenzierten Wortschatz. Sie nimmt alle visuellen Details, die Gefühle des Gegenübers und auch die Regeln in der Schule ganz fein wahr. Bittet man die Lehrperson und die Eltern von Mia, über sie zu erzählen, zeigen sich zwei ganz verschiedene Seiten. In der Schule äusserst sich Mia kaum. Sie traut sich nicht, von ihren tollen Ideen zu erzählen. Zu Hause hingegen liebt sie es, von ihren Ideen, Gedanken und allem, was sie beschäftigt, sehr ausführlich zu sprechen. Manchmal überkommen sie ihre Gefühle und sie hat heftige Gefühlsausbrüche.Gerade ist es schwierig für die Eltern von Tobias und Mia. Sie spüren, dass etwas nicht im Lot ist und machen sich grosse Sorgen. In diesen Momenten fängt man an, Ideen zu entwickeln, was der Grund für diese Schwierigkeiten sein könnte. Oft schliessen Eltern aufgrund solcher Beobachtungen auf eine Hochsensibilität und eine Überreizung, die mit dieser einhergeht.

Eine Überreizung kann sich wie folgt zeigen.

Hochsensibilität und Überreizungen

Viele hochsensible Kinder sind sensorisch empfindlich. Sie nehmen sensorische Reize wie Geräusche, Geschmack, taktile und visuelle Reize stärker auf als andere Kinder und brauchen länger, um diese Reize zu verarbeiten. Dieser Umstand kann zu einer Überstimulation des Kindes führen und so Stresssymptome erzeugen.

Eine Überreizung kann sich folgendermassen zeigen.

  • Blässe, Zittern, Schwitzen, rote Flecken, Schwindel, Beissen, Schreien, Weinen, Flüchten etc.
  • «Stalldrang» (schlagartiges Bedürfnis nach Ruhe), heftige Gefühlsausbrüche, psychosomatische Beschwerden, Unkonzentriertheit und Vergesslichkeit

Hochsensible Kinder brauchen Ruhe- und Auszeiten, um ihr Potenzial entfalten zu können.

Vor der Beratung der Eltern von Tobias habe ich sie und Tobias mittels eines Fragebogens befragt, um mir einen vertieften Überblick zu verschaffen und passende Inputs vorzubereiten. Mia durfte ich im Rahmen einer pädagogischen Abklärung persönlich kennenlernen. Auf dem Weg der Fragebogen und auch der persönlichen Beobachtungen hatte ich noch eine ganz andere Hypothese, nämliche eine Hochbegabung mit einer Unterforderung und den einhergehenden Symptomen.

Hochbegabung und Unterforderung

Joëlle Huser erwähnt im Buch «Lichtblick für helle Köpfe» folgende Indizien einer Unterforderung:

  • Nachlassen der Lern- und Arbeitsmotivation
  • Verlust von Selbstvertrauen und übermässige Anpassung
  • Konzentrationsabnahme und Flüchtigkeitsfehler
  • keine Lernstrategien
  • Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Depression, aggressives Verhalten)
  • psychosomatische Symptome (z.B. Kopf- oder Bauchschmerzen)
  • Leistungsdefizite in vielen Bereichen (Underachievement)

Wenn man nun beide Listen der Überreizung und Unterforderung vergleicht, gibt es einige Aspekte, die sehr ähnlich wirken können. Dazu gehören Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression oder Depression, psychosomatische Symptome, der Verlust von Selbstvertrauen und übermässige Anpassung. Für Lehrer und Eltern ist bezüglich der Aggression oder auch Gefühlsausbrüche wichtig, dass diese in der Schule, aber auch nur zu Hause vorkommen können. Diese Situation ist für Eltern oft sehr schwierig, in der Schule zu erklären, da sie eine unstimmige Situation wahrnehmen, aber dieses Verhalten in der Schule nicht sichtbar wird. Aus Sicht der Lehrperson wirkt das Kind unauffällig, ruhig, angepasst insgesamt sehr angenehm.

Zurück zu Tobias und Mia: Aufgrund meiner Einschätzung und Wahrnehmung habe ich den Eltern weitere Abklärungen empfohlen. Eine Hochbegabung wird durch einen Intelligenztest mit einem Testinstrument, welches auf Hochbegabung ausgelegt ist, festgestellt. Fachleute können eine Hochbegabung abklären (z.B. Entwicklungspädiater, Schulpsychologen und private Anbieter). Tobias wurde vom schulpsychologischen Dienst abgeklärt. Er ist hochbegabt. Es müssen nun weitere pädagogische Massnahmen unternommen werden, damit es Tobias wieder besser geht. Pädagogische Massnahmen sind bei einer Hochbegabung/Unterforderung aus meiner Sicht die ersten zwingenden Sofortmassnahmen. Diese Meinung wird von verschiedenen anderen Fachleuten geteilt. Mögliche Interventionen sind das Klassenüberspringen, Begabten- und Begabungsförderung, Mentorat oder auch interessens- und stärkenorientierte Freizeitkurse. Hochbegabte Kinder können zusätzlich auch hochsensibel sein. 

Die Eltern von Mia möchten zurzeit keine Intelligenzabklärung. Mia begleite ich mit einem stärken- und interessensfördernden Mentorat. Ausserdem begleite ich die Eltern und gebe Inputs für die Lehrpersonen. Mit diesen Massnahmen wird Mia gestärkt. Sie kann an passenden Projekten arbeiten, und dies mit dem Effekt, dass ihr Selbstvertrauen steigt und es ihr wieder besser geht.

Gerne berate ich in Fragestellungen rund um Hochsensibilität und Hochbegabung, lerne ihr Kind in einer pädagogischen Abklärung kennen und gebe Ihnen weitere Förder-, Abklärungs- und Erziehungsinputs. https://www.artcoaching-berweger.ch/eltern

Oder ich begleite ihr Kind mit einem stärken- und interessensfördernden Mentorat/einer Begabtenförderung. https://www.artcoaching-berweger.ch/kinder-jugendliche

Ich freue mich über Ihren Anruf oder Ihre E-Mail. Sehr gerne bespreche ich mit Ihnen das passende Vorgehen. 
Tel.: 079 691 68 81 
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