Schon sehr kleine Kinder können durch ihr visuell-räumliches Interesse und ihre diesbezügliche Begabung auffallen, zum Beispiel durch einen ausserordentlich guten Orientierungssinn. Sie können sich die Abfolge eines entlangspazierten Weges merken und diesen dann problemlos wieder zurückverfolgen. Etwas ältere Kinder können die Aufgabe, den Kindergartenweg oder den Schulweg zu zeichnen, mit viel Lust und Freude bearbeitet. Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört, Karten zu lesen, Trampläne und Routen zu studieren oder Schatzpläne zu zeichnen. Diese Kinder bauen gerne mit Lego, Kapla und Holzklötzen und zeichnen auch gerne Konstruktionspläne. In Bildern von visuell begabten Schulkindern aus der 2. oder 3. Klasse finden sich perspektivisch korrekte Abbildungen z.B. von Häusern oder Schiffen. 

 

Sehr spannende und anregende Ausführungen und Gedanken zu diesem Blog fand ich im Artikel Spatial intelligence in children. Hier finden sich auch sämtliche Literaturangaben.

Diese Art der Denkfähigkeit brauchen Architekten oder Ingenieure, um Gebäude zu planen und zu bauen. Auch Künstler wie Michelangelo besass diese Fähigkeit, um sich dreidimensionale Figuren und Objekte vorzustellen und zu gestalten. Es ist die Art von Denken, die uns hilft, sich Dinge in verschiedenen Perspektiven vorzustellen. Dies ermöglicht uns, Formen zu vergleichen, und trägt auch wesentlich dazu bei, Dreidimensionales zweidimensional auf einem Blatt Papier darzustellen resp. einen Transfer vom Raum zur Fläche umzusetzen.

Visuell räumliches Denken interessiert auch im Rahmen eines Begabungstests, manchmal in der Art eines Rotationstests. Probanden erhalten z.B. das Bild einer Würfelabwicklung mit eingefärbter Fläche und müssen beurteilen, welcher Würfel zu dieser Abwicklung gehört. Diese Fähigkeit ist ein Teil der allgemeinen Intelligenz. Spannend ist, dass Personen, die besonders ausgeprägte visuell-räumliche Fähigkeiten haben, auch durch ihre Fähigkeiten in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Mathematik auffallen (Wai et al., 2009; Uttal et al., 2013).

Eine Studie zeigt auf, dass bei Kindern die räumlichen Denkfähigkeiten und ein Sinn für Zahlen sehr eng miteinander verknüpft sind. Mit anderen Worten kann mit dem visuell-räumlichen Denken eine gute Voraussage über mathematische Fähigkeiten gemacht werden. Kinder mit guten räumlichen Fähigkeiten fallen durch bessere Leistungen in Mathematik auf (Zhang et al., 2014; Gilligan et al., 2017; Verdine et al., 2017). 

Was lässt sich nun für die Begleitung von Kindern schlussfolgern?

Studien belegen, dass es visuell-räumliche Fähigkeiten gibt und diese gefördert werden können. In den Studien zeigten sich zu Beginn Unterschiede in den visuell-räumlichen Fähigkeiten zwischen Mädchen und Jungen. Schon nach wenigen Übungen waren diese nicht mehr zu erkennen.

Spielsachen, durch die visuell-räumliches Denken spielend gefördert werden kann, sind beispielsweise Lego, Kapla, Cubro, Duplo, Kügelibahn usw. An dieser Stelle möchte ich betonen, wie wichtig das visuell-räumliche Spielen auch für Mädchen ist. Lego hat das erkannt und bietet gezielt Spiele in Mädchenfarben und -motiven an.

Der Effekt des visuell-räumlichen Spielens kann laut Studien noch unterstützt werden, indem man schon kleine Kinder dabei mit Worten begleitet. Visuell-räumliche Adjektiva (vorne, hinten, oben, unten, näher, weiter weg etc.) unterstützen laut Studien das visuell räumliche Denken nachhaltig. Interessant finde ich an dieser Stelle, dass das Benennen von Handlungen, Initiativen, Gefühlen etc. ein zentrales Element der entwicklungsfördernden Methode Marte Meo ist.

Räumlich visuell interessierte Kinder habe viele Möglichkeit spielend ihrem Interesse und ihrer Begabung nachzugehen. Falls die Projekte komplexer und anspruchsvoller werden, begleite ich Ihr Kind bei diesen gerne in meinem Atelier. Weitere Projekte unter https://www.artcoaching-berweger.ch/kinder-jugendliche .

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