In meinen Elternkursen sind Konflikte und Reibungsflächen, die Eltern in ihrem Erziehungsalltag mit ihren hochsensiblen Kindern erleben, immer wieder Thema. Viele der Konflikte stehen mit der sensorischen Hochsensibilität der Kinder im Zusammenhang. Dieser Aspekt der Hochsensibilität bezieht sich vor allem auf die Sinneswahrnehmungen wie Hören, Schmecken, Sehen, Riechen und auch die taktile Wahrnehmung. So gibt es z.B. Kinder mit einem äusserst feinen Musikgehör, das beim Spielen eines Musikinstruments sehr von Vorteil ist. Im Gegenzug kann genau diese sehr differenzierte akustische Wahrnehmung zur Überreizung bis zu Kopfschmerzen führen. Betroffene Kinder brauchen immer wieder viel Ruhe, um sich zu erholen. Oft klagen Eltern aus meinen Kursen über Konflikte beim Essen. Hochsensible Kinder sind mitunter sehr heikle Esser.

 

Einerseits geniessen sie das, was sie mögen, als kleine Feinschmecker, andererseits können sie sehr wählerisch sein und unter Umständen von Gemüse gar nichts halten. Auch die Konsistenz der Nahrung scheint für sie eine besondere Rolle zu spielen. Handelt es sich um knackige oder eher flüssig-breiige Nahrung? Die Kinder scheinen über den Mundraum mehr wahrzunehmen als andere. Ein weiteres Spannungsfeld ist die Kleidung. So stören eventuell Nähte oder eingenähte Etiketten. Grobe Stoffe werden als äusserst unangenehm empfunden.

Der Austausch der Eltern in den Kursen wird als sehr hilfreich und bereichernd erlebt. Dabei kommt es immer wieder zu Aha-Erlebnissen. In Gesprächen wird Gelingendes im Erziehungsalltag ausgetauscht und gesammelt. Es ist inzwischen einiges zusammengekommen.

 Reizarme Umgebung

Reize zuhause können auf verschiedene Weise reduziert werden:

  • akustische Reizverminderung (z.B. keine Musik laufen lassen, staubsaugen, wenn die Kinder nicht zuhause sind etc.)
  • in der Freizeit lieber weniger Personen treffen und viel Zeit für Erholung einplanen
  • bei Überreizung eher zuhause bleiben
  • Wochenenden nicht allzu dicht planen (weniger ist mehr)
  • Eltern und Kinder schätzen die Entspannung in der Natur (Sport und Kreativität im Freien, z.B. im Wald)
  • Visuell hochsensible Kinder profitieren von Ordnung. Geschlossene Schränke und Kommoden reduzieren visuelle Reize. Gedimmtes Licht kann hilfreich sein. Eine Mutter hat von einem chaotischen Elternhaus erzählt. Sie hat es als sehr anstrengend erlebt, dauernd von äusseren Reizen umgeben zu sein.
  • Zeit zum Beruhigen und «Runterfahren» einplanen

Essen

Hochsensible Kinder sind mitunter sehr heikle Esser. Das kann sich äussern, indem sie sehr selektiv nur das essen, was sie mögen. Bei den Speisen und Zwischenmahlzeiten, die sie mögen, wird zugegriffen, um dann bei Mahlzeiten, die weniger schmecken, zurückhaltend sein zu können. Vielleicht mag ein Kind bei Früchten nur Bananen, bei Gemüse nur rohe Rüebli. Ein anderes Kind liebt Früchte, dafür kein Gemüse. Wie ist nun damit umgehen? Soll man immer wieder zum Probieren geben oder vielleicht sogar sagen, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt? Die Eltern aus den Elternkursen gehen unterschiedlich mit dem Thema um. Der Grundtenor ist aber, dass Fragen rund um das Essen entspannt anzugehen sind. Eine Mutter sagt sogar: «Bei Tisch will ich keine Konflikte.» Bei ihr gibt es immer Nudeln mit Sauce, da sie weiss, dass das ihre Kinder mögen. Eine andere Mutter hat immer Cracker oder auch Gemüsesticks griffbereit, falls das Gekochte nicht schmeckt.

Durch Unterzuckerung der Kinder, aber auch der Eltern, können Gefühlsausbrüche, aufschwellende Konflikte und schwieriges Verhalten spürbar werden. Eine Mutter klagt, dass ihre Kinder oft eine halbe Stunde vor dem Essen schon Hunger haben. Hier können kleine Snack in Form von Crackern oder auch Gemüse (Rüebli, Gurken, Peperoni) den ersten Hunger stillen und die Stimmung beim eigentlichen Essen heben. Eine Mutter meinte augenzwinkernd, dass Kinder auf diesem Weg wenigsten zu etwas Gemüse greifen.

Eine andere Mutter hat von ihrem Kinderarzt die Empfehlung bekommen, ihrem Kind, das am Morgen nicht auf Touren kommt, Traubenzucker als Starthilfe zu geben. Nach den ersten Versuchstagen ist diese Mutter der Meinung, dass dies helfe.

Gegen Unterzuckerung unterwegs oder zwischen den Mahlzeiten hilft eine «Erste-Hilfe-Snack Box». Darin könnten z.B. Cracker, Bananen, getrocknete Früchte, Rüebli und Farmer sein. Gute Erfahrungen machen die Eltern auch mit regelmässigen Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten. Auf diese Weise kann einer Unterzuckerung vorgebeugt werden.

 Strukturierung des Tages

  • Klare Strukturen und regelmässige Abläufe geben den Kindern Orientierung und unterteilen den Tag in kleinere übersichtliche Einheiten.
  • Die Kinder mögen auch einen Überblick hinsichtlich dessen, was ansteht. Agenda, Tages- und Wochenpläne für ältere Kinder sollten dabei gut sichtbar aufgehängt werden.
  • Speziell Ereignisse sollten im Vorfeld angekündigt werden, damit sich die Kinder darauf einstellen können.
  • Regeln und Rituale sind hilfreich, z.B. bei Tisch immer am gleichen Platz zu sitzen.
  • Das Einschlafritual sollte immer gleich gehandhabt werden. Das gibt Orientierung und reduziert neue Reize.
  • Vor der Schule sollte Zeit zum Spielen und Lesen eingeplant werden.
  • Den Tag in Ruhe zu starten, ist bedeutsam.
  • Zeiten zum Runterfahren sollten unbedingt vorhanden sein.

Zuwendung und Wertschätzung

  • Zuwendung sollte man zeigen, auch wenn es nur einen kurzen Moment lang ist. Das kann durch einfühlsames Zuhören, Augenkontakt oder mit seiner Aufmerksamkeit ganz beim Kind geschehen.
  • Auch körperliche Kontakte wie Massagen oder Rückenkraulen sind Zeichen der Zuwendung. Einige Kinder werden in einer Situation der Überreizung durch Körperkontakt und Streicheln beruhigt, anderen Kindern ist das zu viel und sie bevorzugen es, sich alleine zu beruhigen.

Erziehung und Kommunikation

  • Es ist besser, zu sagen, wie man etwas möchte, oder einen Wunsch zu äussern, als Vorwürfe zu machen.
  • Die eigene Befindlichkeit sollte angesprochen und sichtbar gemacht werden. Die Kinder spüren diese sowieso.
  • Die Kinder sollten stets in ihrer Selbstständigkeit und in ihren Lösungsstrategien unterstützt werden.

Kommunikation Lehrpersonen

  • Beobachtungen und Fragestellungen des Kindes schildern
  • als Sprachrohr des Kindes verstehend und erklärend vorgehen, damit ein Bewusstsein über Probleme oder Fragestellungen entstehen kann
  • Von Seiten der Schule sind methodische und inhaltliche Forderungen weniger erwünscht.
  • Ideal ist ein kooperatives gemeinsames Suchen nach Lösungen.

Eigenen Energiehaushalt beachten

Wie gehe ich als Mutter oder Vater mit meinen eigenen Energien und Rückzugsmomenten um?

  • darauf achten, dass ich ruhig und entspannt aus dem Haus gehen kann
  • auf mich selbst achten

Wenn auch Sie sich mit anderen Eltern austauschen möchten, sind sie in den Elternkursen

Elternkurs Hochbegabung / Hochsensibilität und Starke Eltern - starke Kinder herzlich willkommen.

Falls es Ihnen nicht möglich ist, an einem Kurs in Zürich teilzunehmen, gibt es die Möglichkeit eines digitalen Austauschens in der Facebook-Gruppe Elternaustausch begabt und sensibel.

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