Wie man ein gestalterisches Portfolio zusammenstellt

Welche gestalterische Arbeit als schön eingestuft wird, ist von Person zu Person verschieden. Bei Jugendlichen kann sich das ästhetische Empfinden wie folgt zeigen:

Gerne nehmen sich Jugendliche Fotografien als Vorlage zum Zeichnen. Ihr Ziel ist es, diese so exakt und realistisch wie möglich wiederzugeben. Sie sind in einem Lebensabschnitt, in dem sie sich oft mit sich und den Fragen, wer sie sind, wie sie erscheinen und wie sie wirken möchten, beschäftigen. Vielen ist die äussere Erscheinung sehr wichtig. Die richtigen Kleider zu tragen, ist von Bedeutung. Auch die Frisur muss stimmen. Eine ähnliche Haltung kann sich auch in den gestalterischen Arbeiten zeigen. Ihre Ansprüche sind hoch. Sie haben oft sehr klare Vorstellungen, was sie als ästhetisch empfinden. Einige Jugendliche sind in gewissen Techniken geübt und erzielen gute Resultate.

Ein Sujet, das viele Jugendliche fasziniert, sind Mangas. Die stilisierten Gesichtsformen, Augen und Körper begeistern in ihrer speziellen Ästhetik. Mit wenigen Kniffen, z.B. durch unterschiedliche Augen- und veränderte Körperformen, lassen sich unterschiedlichste Charakter entwickeln. Einige Arbeiten sind beeindruckend.

Mangas finden sich in vielen Zeichensammlungen von Jugendlichen. Vor kurzem habe ich mit jemanden eine Mappe für eine Kunstschule zusammengestellt. Diese Kunstschule hatte explizit darauf aufmerksam gemacht, dass Mangas in den Portfolios nicht erwünscht sind.

 Wie soll ein gestalterisches Portfolio aber dann zusammengestellt werden? Anders gefragt: Was möchten Ausbildungsinstitute wie das Liceo Artistico oder eine Kunstschule anhand eines Portfolios erfahren?

Von Interesse ist:

  • Wird in den Arbeiten eine gestalterische Lernfähigkeit sichtbar? Wie kann er/sie mit verschiedenen Techniken und Materialien umgehen?
  •  Ist er/sie offen und hat sich noch nicht allzu sehr auf gewisse Techniken festgelegt?
  • Geht er/sie künstlerische Prozesse ein?
  • Kann er/sie gut und vielschichtig beobachten?
  • Kann er/sie das Beobachtete differenziert zeichnerisch, malerisch oder auf einem gestalterischen Weg ausdrücken?
  • Hat er/sie sich in einem Naturstudium z.B. schon einmal mit der Thematik «Schatten» auseinandergesetzt?
  • Interessiert er/sie sich beim Abzeichnen auch für den Raum zwischen den Gegenständen?
  • Ist eine Intensität, die sich in einer zeitlich umfangreichen Auseinandersetzung mit dem Gestalten zeigt, sichtbar?

In der Regel unterscheidet sich das ästhetische Empfinden von Prüfungsexperten und Jugendlichen resp. jungen Erwachsenen stark. Generell sollten alle Arbeiten gesammelt werden und keine Arbeiten im Vorfeld aussortiert oder sogar weggeworfen werden. Auch kleine, scheinbar unfertige Skizzen und Arbeiten geben über Fähigkeiten und Qualitäten Auskunft. Sie können als Serie in der Mappe gesammelt werden. Eine Mappe darf neben „fertigen“ Arbeiten auch kleinere Skizzen beinhalten.

Weitere Anregungen zum Zusammenstellen einer Mappe:

Den Schwerpunkt sollen die gestalterischen Arbeiten bilden. Das kann durch Folgendes unterstützt werden:

  • Das Design der Mappe ist möglichst schlicht und zurückhaltend gewählt.
  • Es werden auch Naturstudien eingeplant. (Zeichne oder male Gegenstände oder Personen, die dich interessieren.)
  • Die Farbe der Blätter in der Mappe soll vorzugsweise weiss sein (leicht getöntes Zeichenpapier ist ebenfalls möglich).
  • Es ist eine gut lesbare und schlichte Schrift zu bevorzugen.
  • Gestalterische Arbeiten und Fotos sind immer parallel zum Blattrand eingeklebt. Es eignet sich ein Fotokleber oder ein Klebespray (z.B. Spray Mount), der noch ein Einrichten der Bilder ermöglicht).

Es macht Sinn, die Arbeiten für die Mappe mit jemanden, der sich professionell mit Gestalten und Kunst auseinandersetzt (z.B. Lehrer/in für bildnerisches Gestalten), auszuwählen und zusammenzustellen.

Gerne stelle ich mit Ihnen oder Ihrem Kind ein gestalterisches Portfolios zusammenstellen.

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