Neurodivergente Kinder begleiten: Selbstwert und Entwicklung mit der Marte Meo Methode stärken

Viele neurodivergente Kinder erleben ihren Alltag gleichzeitig als herausfordernd im Aussen und als anstrengend im Innern. Gerade bei eher angepassten Kindern bleibt diese innere Anstrengung ausserhalb der Familie oft lange unsichtbar. Diese Kinder nehmen Reize intensiver wahr, brauchen mehr Zeit für deren Verarbeitung, benötigen mehr Ruhe, denken schneller oder vernetzter, reagieren emotional stärker oder brauchen länger, um Handlungen umzusetzen.
Nicht selten spüren diese Kinder unbewusst: Ich bin anders.
Dieses Erleben kann dazu führen, dass sie sich zurückziehen, frustriert reagieren oder ihr Selbstvertrauen schleichend leidet.
In meiner Praxis begegne ich immer wieder Kindern, die sehr viel leisten, kompensieren und sich anpassen. Nicht, weil sie zu wenig können, sondern weil ihre Art zu denken, zu fühlen und zu handeln in vielen Lern- und Lebensumfeldern zu wenig Resonanz findet. Wenn Kinder erleben, dass Erwartungen an sie herangetragen werden, die sie nicht erfüllen können, entsteht häufig ein brüchiges Selbstbild. Dieses entwickelt sich oft leise und wirkt lange nach.
Gerade deshalb ist der Aufbau eines stabilen Selbstwerts ein zentraler Schutzfaktor für eine gesunde emotionale und mentale Entwicklung.
Selbstwert als Schutzfaktor
Neurodivergente Kinder erleben in ihrer Entwicklung häufig Hürden. Negative Selbstbilder, ein Gefühl von Nicht-Passung, Überforderung oder mangelnde Resonanz können sich früh festsetzen. Umso wichtiger ist es, den Selbstwert nicht dem Zufall zu überlassen, sondern ihn im Alltag bewusst zu stärken.
Ein hilfreiches Orientierungsmodell ist das Modell der vier Säulen des Selbstwerts nach Potreck-Rose & Jacob. Es beschreibt Selbstwert nicht als feste Eigenschaft, sondern als etwas, das sich im Erleben und in Beziehung entwickelt.
Die vier Säulen des Selbstwerts
Selbstakzeptanz
Selbstakzeptanz entsteht dort, wo Kinder erleben: Ich darf so sein, wie ich bin.
Mit Stärken, Eigenheiten, Fehlern und schwierigen Gefühlen. Sie ist nicht an Leistung oder Anpassung gebunden.
Selbstvertrauen
Selbstvertrauen wächst, wenn Kinder erfahren, dass sie so sein dürfen, wie sie sind, sich selbst etwas zutrauen dürfen und ihre Grenzen kennen. Pausen machen, Hilfe annehmen und eigene Wege finden gehören dazu.
Soziale Kompetenz
Soziale Kompetenz bedeutet, in Kontakt treten zu können, sich auszudrücken, eigene Grenzen wahrzunehmen und andere zu verstehen. Viele neurodivergente Kinder nehmen soziale Situationen sehr intensiv wahr und brauchen hier eine feinfühlige Begleitung.
Soziales Netz
Ein tragendes soziales Netz vermittelt Zugehörigkeit.
Ich bin wichtig. Ich werde gesehen. Ich gehöre dazu.
Dieses Gefühl gibt Halt und Sicherheit.
Die ersten beiden Säulen gehören zur intrapersonalen Ebene, die beiden anderen zur interpersonalen Ebene. In der Praxis zeigen sie sich nicht getrennt, sondern eng miteinander verwoben.
Marte Meo – Entwicklungsunterstützung aus eigener Kraft
Der Begriff Marte Meo bedeutet „aus eigener Kraft“.
Die von Maria Aarts entwickelte videobasierte Methode richtet den Blick konsequent auf vorhandene Ressourcen und auf Momente, in denen Entwicklung bereits sichtbar ist.
Gerade für neurodivergente Kinder ist dieser Ansatz besonders wertvoll. Viele von ihnen erleben im Alltag vor allem Korrektur, Anpassungsdruck und hohe Erwartungen. Marte Meo setzt hier einen bewussten Gegenpol – durch genaues Beobachten, wohlwollende Resonanz und Sprache, die Orientierung gibt.
Im Zentrum stehen entwicklungsunterstützende Momente. Kleine, oft unscheinbare Situationen, in denen Kinder Initiative zeigen, denken, fühlen, regulieren oder in Kontakt gehen. Das ermöglicht eine individuell passende und entwicklungsorientierte Begleitung.
Selbstwahrnehmung als Grundlage von Selbstregulation
Ein zentrales Element der Marte Meo Methode ist die sogenannte Selbstregistrierung.
Kinder müssen sich zuerst wahrnehmen, um sich regulieren zu können.
Wenn Erwachsene Handlungen, Initiativen und Gefühle verbalisieren, entsteht innere Orientierung. Zum Beispiel:
„Du merkst gerade, dass es dir zu laut ist.“
„Du überlegst.“
„Das hat dich jetzt richtig angestrengt.“
Das Kind erlebt: Ich werde verstanden.
Gleichzeitig lernt es, sich selbst wahrzunehmen, sein Erleben innerlich zu sortieren und zunehmend selbst Worte dafür zu finden. Diese Selbstwahrnehmung bildet die Grundlage von Selbstregulation.
Von Selbstwirksamkeit zu Selbstvertrauen
Wenn ein Kind sich selbst wahrnehmen kann, so angenommen wird, wie es ist, und erlebt, dass sein Tun Wirkung hat, entsteht Selbstwirksamkeit.
Es erlebt: Ich bin gut, so wie ich bin. Und ich kann etwas beeinflussen.
Das zeigt sich zum Beispiel, wenn Erwachsene sagen:
„Du hast einen eigenen Weg gefunden.“
„Du hast gemerkt, dass du eine Pause brauchst.“
„Du hast dir Hilfe geholt.“
Aus dieser Erfahrung entwickelt sich Selbstvertrauen. Nicht im Sinn von ich kann alles, sondern im Sinn von ich kenne mich und ich traue mir etwas zu.
Das Kind darf erleben: Ich darf so sein, wie ich bin.
Von personalen zu sozialen Kompetenzen
Diese personalen Kommunikationsfähigkeiten sind zugleich die Basis sozialer Kompetenzen.
Ein Kind, das sich selbst wahrnehmen und ausdrücken kann, kann auch in Beziehung gehen. Es kann Signale senden, Grenzen zeigen, Kontakt aufnehmen oder sich zurückziehen.
In der Marte Meo Begleitung wird dies durch Anschluss, Blickkontakt, passende emotionale Töne und eine klare, einfache Sprache unterstützt. Zum Beispiel:
„Ich sehe dich.“
„Wir machen das zusammen.“
„Jetzt bist du bereit.“
So entsteht Interaktion. Nicht über Anpassung, sondern über echte Begegnung.
Vom Kontakt zum sozialen Netz
Auf diesem Weg kann ein Kind auch vom sozialen Netz profitieren.
Es erlebt sich als Teil eines Miteinanders, als jemand, der dazugehört und getragen wird.
Das Wissen: Ich werde gesehen. Ich bin wichtig. Ich bin Teil davon. wirkt stabilisierend und stärkend. Gerade für neurodivergente Kinder ist dieses Gefühl von Zugehörigkeit zentral für ihren Selbstwert.
Nuanciertes Feedback – wann, was und wozu
Ein zentrales Element der Marte Meo Arbeit ist das nuancierte Feedback. Kinder haben ein Anrecht darauf, nicht nur zu hören, dass etwas gut war, sondern konkret zu erfahren, was ihnen, was, wie gelungen ist.
Nuanciertes Feedback wird leicht zeitversetzt gegeben, nachdem das Kind eine hilfreiche Initiative gezeigt hat. So kann es die Rückmeldung mit seinem eigenen Erleben verbinden, ohne aus dem Prozess herausgerissen zu werden.
Im Fokus steht dabei nicht das Resultat, sondern der Weg dorthin. Erwachsene benennen beobachtbar und wertfrei, was das Kind getan hat, zum Beispiel:
„Du bist drangeblieben, obwohl es schwierig war.“
„Du hast kurz innegehalten und nachgedacht.“
„Du hast ruhig gefragt, als du Hilfe gebraucht hast.“
„Du hast gemerkt, dass du eine Pause brauchst.“
Durch solche präzisen Rückmeldungen lernt das Kind, sich selbst differenziert wahrzunehmen. Daraus entwickelt sich Selbstwirksamkeit und in der Folge Selbstvertrauen. Es entsteht ein realistisches, tragfähiges Selbstbild, das auch in neuen Situationen Orientierung geben kann.
Praxisnah begleiten statt korrigieren
In der Arbeit mit neurodivergenten Kindern geht es nicht darum, Verhalten möglichst schnell zu verändern. Es geht darum, Verhalten zu verstehen, die Botschaften dahinter wahrzunehmen und Entwicklung zu ermöglichen.
Starke Gefühle wie Frustration spielen dabei eine zentrale Rolle, besonders wenn Denken und Handeln auseinanderfallen. Übergänge, etwa das Nachhausekommen von der Schule, sind häufig emotional aufgeladen. Weniger Worte, passende emotionale Töne, ein ruhiges Dasein und das wertfreie Benennen des Erlebens wirken hier oft regulierender als lange Erklärungen.
In Videoaufnahmen zeigt sich immer wieder eindrücklich, wie wirkungsvoll ein freundlicher Gesichtsausdruck, eine einladende Stimme und ein stimmiges Timing für Gefühlsregulation und Selbstvertrauen sein können.
Haltung und Fazit
Neurodivergente Kinder dürfen so sein, wie sie sind.
Sie brauchen Erwachsene, die hinschauen, genau wahrnehmen und wissen, wie eine feinfühlige und zugleich entwicklungsfördernde Begleitung aussieht.
Entwicklung entsteht dort, wo Erwachsene ihr Timing anpassen, Initiativen erkennen, Worte bewusst wählen und dem Kind zutrauen, aus eigener Kraft zu wachsen.
Marte Meo schafft dafür einen klaren und zugleich feinfühligen Rahmen.
Selbstwert entsteht im Moment.
In der Art, wie wir schauen.
Wie wir sprechen.
Wie wir begleiten.
Und genau dort liegt die Kraft dieser Arbeit.
Kostenfreies Kennenlerngespräch
Wenn Sie sich eine feinfühlige, entwicklungsorientierte Begleitung für Ihr neurodivergentes Kind wünschen und genauer hinschauen möchten, was Ihr Kind stärkt und unterstützt, lade ich Sie herzlich zu einem kostenfreien Kennenlerngespräch ein.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt bei Twice-Exceptionality, also bei Kindern mit hohem Potential in Verbindung mit weiteren neurodivergenten Profilen.
Im Kennenlerngespräch klären wir gemeinsam,
– welche Themen Sie aktuell beschäftigen
– wo Ihr Kind gerade steht
– und ob eine Begleitung mit der Marte Meo Methode für Sie und Ihr Kind passend ist.
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Ich freue mich darauf, Sie und Ihr Anliegen kennenzulernen.



