Erschienen ist der Text auf dem tollen und inspirierenden Blog «Fuezgi und meh»

„Weisst du“, sagt Kathrin Berweger, „es ist auch wichtig, dass man positive Selbstgespräche mit sich selber führt.“ Die ausgebildete Zeichnungslehrerin unterrichtete lange am Gymnasium. Heute hat sie sich auf die Beratung und Begleitung emotional-sensitiver und künstlerisch und visuell begabter Kinder und Jugendlichen, und deren Eltern spezialisiert . „Künstlerisch begabte Kinder kommen oft nicht zu einem guten Unterricht. Das ist fatal“, sagt Kathrin Berweger. „Zu oft läuft Kunst an der Schule unter ferner liefen.“ In ihren Coachings geht es ums Ganze, um Kunst und räumliches Gestalten aber auch um Fragestellungen zum Selbstvertrauen, der Gefühlsregulierung, der Konzentration und Aufmerksamkeit.

Als Gymnasiallehrerin hat Kathrin Berweger 120 Jugendliche pro Woche unterrichtet. Jetzt schätzt sie das sorgsame, individualisierte Arbeiten. Manche hochbegabten und hochsensiblen Kinder arbeiten langsam. Jedes Detail ist ihnen wichtig. Deshalb hat auch das Gespräch über die Geschwindigkeit Raum. Schnell rennen braucht Tempo. Anderes aber braucht Zeit. Wann ist Geschwindigkeit wichtig? Wann sorgfältiges und detailliertes Arbeiten? Kathrin nähert sich diesen Fragen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen und probiert mit ihnen aus, wie es sich anfühlt, wenn man auch einmal etwas einfach so stehen lässt, wie es ist. „Viele der Kinder und Jugendlichen, die zu mir kommen, haben sehr hohe Ansprüche an sich. Gerade auch deshalb ist es so wichtig, dass sie lernen, sich selbst nah zu sein, dass sie den inneren Goldschatz in sich spüren.“ Und wenn dann ein Kind, in die Arbeit vertieft zu sich selber sagt: „Ou, guät gmacht“, sind das wichtige Momente. Mit fünfzig hat Kathrin Berweger zusätzlich die Marte-Meo Ausbildung angefangen. Die videobasierte Methode richtet den Blick vertieft auf gelingende menschliche Interaktionen. Im Prozess werden die Beteiligten im Video aufgezeichnet und anschließend werden die gefilmten Situationen ausgewertet. „Natürlich ist es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, sich so gefilmt zu sehen“, sagt Kathrin Berweger. „Ich zum Beispiel dachte über meine Stimme: „oh nei, diese Tonlage. Scho chli zackig.“ Aber eigentlich geht es bei der Marte Meo Methode um die gelingenden Momente und die nächsten hilfreichen Schritte. Auch im Elterngespräch. Wir alle machen intuitiv vieles gut, legen den Fokus aber häufig auf das, was schief läuft - gerade in schwierigen Lebensphasen. Das Medium Film ermöglicht in der Beratung, gemeinsam auf eine konkrete, persönliche Interaktionssituation zu schauen. Das dichte Geschehen wird verlangsamt. Kathrin Berweger schneidet Mikro-Sequenzen aus dem Film heraus und die Kinder, Jugendlichen und Eltern beobachten sich selber dabei, wie gut sie es eigentlich machen. Das sind Bilder, die eine tiefe Kraft erzeugen. Kathrin Berweger ist zufrieden, dass sie den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat: „In die Welt, emotional-sensitiver Kinder einzutauchen, zusammen im Kontakt zu ihrer Welt sein, zusammen an ihrem Weg arbeiten...und dabei sein, wenn sie in ihrer Entwicklung einen grossen Gump vorwärts kommen... Ich lerne immer wieder neue Nuancen und Facetten kennen. Das ist bereichernd.“

nach oben