Vor einiger Zeit habe ich den folgenden Text für den Newsletter für "Starke Eltern - starke Kinder" Schweiz geschrieben. Für den Newsletter von SESK Schweiz können Sie Sich hier anmelden 

Andreas* ist gerade in der Küche mit den letzten Vorbereitungen für das Mittagessen beschäftigt, da hört er seinen Sohn heftig die Treppe hochstampfen. Schon am Klang von Julians* (7-jährig) Schritten wird ihm klar, dass etwas im Argen liegt. Mit einem Ruck öffnet Julian die Türe und knallt sämtliche Dinge – Turnsack, Jacke und Schultasche – auf den Boden. Andreas atmet tief durch und versucht mit einer möglichst freundlichen Aufforderung Julian zu ermutigen, die Garderobe für all seine Dinge zu benutzen. Paff... wie so viele Male in den letzten Wochen explodiert Julians Stimmung sofort. Er schreit nur noch rum und ist sehr wütend. Es dauert mehr als eine halbe Stunde, bis er sich einigermassen beruhigt hat. Die Stimmung am Mittagstisch ist hin.

Wie bei uns Eltern, entwickelt sich die Wut der Kinder schrittweise und wird grösser, bis es zu einem Gefühlsausbruch wie bei Julian kommt.

Die Wuttreppe ist eine hilfreiche Abbildung aus Starke Eltern – Starke Kinder®: sie zeigt, wie sich Wut entwickelt. Mit älteren Kindern lohnt es sich, in einem ruhigen Moment mit diesem Bild das Gespräch zu suchen und Fragen zu stellen:

  • Wie nimmst du deine Wut wahr?
  • Was hilft dir auszusteigen, damit sie nicht immer grösser wird? Was sind deine ‚Notausstiege‘?

Ebenfalls ist es hilfreich, sich diese Fragen in einer ruhigen Minute selbst zu stellen, und/oder mit der Partnerin/dem Partner zu besprechen, wie man sich gegenseitig beim ‘Notausstieg’ unterstützen kann. 

Was könnte nun bei Julian zu seinem Wutanfall beigetragen haben?

Mein Blick wandert nun zu Julians Erlebnissen während des Morgens. Julian ist ein sehr sensibles Kind, oft klagt er über Langeweile in der Schule. Hochsensible Kinder nehmen viel wahr, brauchen lange, um Informationen zu verarbeiten und neigen zu Überreizungen. Im Kindergarten ist viel los, da gibt es die unterschiedlichsten Gerüche und akustischen, visuellen und emotionalen Eindrücke. Das kann zu einer Überstimulation führen. Manchmal zeigt sich diese erst zu Hause, beispielsweise mit einem heftigen Gefühlsausbruch, einem ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhe, psychosomatischen Beschwerden und Konzentrationsabnahme. Worauf im Umgang mit hochsensiblen Kindern geachtet werden kann zeigt die zum vertiefenden Online Kurs Hochsensibilität - sensible Kinder erkennen, besser verstehen und stärkend begleiten (inklusive Kinder- und Elternfragebogen) oder zur Sammlung von Tipps für Eltern von hochsensiblen Kindern.

Sehr ähnliche Symptome wie bei der Überreizung zeigen sich bei einer Unterforderung in der Schule: Aggressionen, Wutanfälle, psychosomatische Symptome, Konzentrationsabnahme und Verlust von Selbstvertrauen. Da sowohl eine Überreizung als auch eine Unterforderung bei den Kindern Stress erzeugen, erstaunen die sehr ähnlichen Symptome nicht. Unterforderte hochbegabte Kinder oder auch überdurchschnittlich begabte Kinder denken schnell, komplex und tiefgründig (es gibt natürlich noch einige weitere Merkmale). Sie brauchen intellektuelle Nahrung, damit es ihnen gut geht und sie sich gesund entwickeln können.

Hochsensiblen Kindern hilft ein achtsames, feinfühliges Umfeld, um sich zu entfalten. Auch hochbegabten Kindern kommt ein solches Umfeld sehr entgegen, zusätzlich sind für sie pädagogische Massnahmen nötig, damit sie sich gut entwickeln können. Dazu gehören zum Beispiel Begabtenförderung, spannende Hobbies oder manchmal auch einen Klassensprung.

Studien zeigen, dass leider immer noch die Hälfte der hochbegabten Kinder nicht erkannt und demzufolge nicht adäquat gefördert wird. Das belastet diese Kinder und auch ihre Eltern. Unterstützend in solchen Fragestellungen können Entwicklungspädiater, Schulpsychologinnen oder auch eine Begabungsabklärung durch eine Fachperson in einer privaten Praxis sein. Letztere nehmen eine Begabungsabklärung vor und geben Empfehlung für ein passende Massnahme.
Weitere Informationen

Hier geht es zum vertiefenden Selbstlernkurs, den Sie Ihrem Tempo, orts- und zeitunabhängig bearbeiten können.

Hochsensibilität -  sensible Kinder erkennen, besser verstehen und stärkend begleiten (inklusive Kinder- und Elternfragebogen)


*Namen erfunden

Bilder Canva

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